Schönheit und Grauen

Große vintage Muschelgemme des Bethlehemitischen Kindermordes, um 1950

Schmuck mit Gemmen aus Muschel oder Lagenstein rezipiert oft ganz direkt Werke der bildenden Kunst. Gemälde und Kupferstiche bieten sich ja an, im Medium des geschnittenen Reliefs wiederholt zu werden; ebenso, wie im Medium des Mikromosaiks. So sind es daher nicht nur die immer wieder beliebten Göttinnen der Antike, welche wir in Profildarstellung auf den Broschen und Anhängern dieser Gattung finden, sondern mitunter auch ganz andere, aufwendig umgesetzte Szenen. Die hier vorliegende Muschelgemme in einer Fassung aus hochkarätigem Gold greift ein Thema auf, das die Künstler seit den frühesten Zeiten immer wieder inspirierte. Das Thema ist erschreckend: Es handelt sich um den Bethleheminischen Kindermord, also die Tötung aller männlichen Neugeborenen in Bethlehem auf Veranlassung des Herodes, um Christus, den vorausgesagten „König der Juden“ vom Antlitz der Welt zu schaffen. Dass dies nicht gelang, sondern sich die göttliche Macht den Befehlen der weltlichen Machthabern überlegen zeigte, ist die tröstliche Seite dieser Geschichte. Für die Künstler indes war die Szene noch aus einem ganz anderen Grund interessant. Denn die Darstellung der kämpfenden Männer und flehenden Frauen bot Gelegenheit, den menschlichen Körper in immer neuen, kunstvollen Posen und Ansichten darzustellen. Alle großen Meister, von Giotto über Raffael, Rubens und Rembrandt, setzten sich mit diesem Thema auseinander. Besonders die Künstler der Renaissance und des Manierismus nutzten die Gelegenheit, nackte Körper in an der Antike geschulten Drehungen und Posen darzustellen und im Falle der weiblichen Gestalten Bildideen aus dem Bereich der Heiligen mit neuem Leben zu füllen. Auch der Meister dieser Gemme schöpft bei der Darstellung des Grauens aus dem Vollen und wandelt es in eine Szene der Schönheit und der Kunst. Wir sehen zum Beispiel am rechten Bildrand eine Mutter mit Kind, welche offenbar nach dem Vorbild der Muttergottes geschaffen ist. Der Häscher in der Mitte präsentiert sich als nackte Rückenfigur und breitet seine Arme so, dass wir die Struktur der Muskeln und des Rückens noch im Detail nachverfolgen können. Die knieenden Frauen im linken Bildvordergrund indes verschmelzen mit ihren wallenden Gewändern zu einer einzigen, bewegten Einheit, in der Dynamik durch Stofflichkeit zu einem bewundernswerten Ausdruck findet. Die Gemme ist wohl in Italien in den Jahren unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg entstanden. Die Details des Schnitts sind hochwertig und bewunderungswürdig. Uns hat besonders die Spannung zwischen Sujet und Ausführung angesprochen, die noch im größten Schrecken einen Anknüpfungspunkt für die Kunst findet.

Vorgänger unserer heutigen Broschen waren Fibeln, die als Mantelschließen getragen wurden. Diese Schmucksücke ähnelten einer Sicherheitsnadel und diente dazu, Kleidungsstücke an den Schultern zusammenzuhalten. Diese Fibeln kündeten auch vom Status ihres Besitzers und bereits in der Bronzezeit wurden sie mit Figuren verziert und kunstvoll ausgestaltet. Die Römer gestalteten ihre Fibeln zum Teil so prachtvoll, dass sie mit Luxussteuern belegt wurden. Die Fibel – und seit dem Mittelalter ein ähnlich gestaltetes Schmuckstck namens Fürspann – sorgte fast 3.000 Jahre lang für den korrekten Sitz der Kleidung. Spätestens seit der Erfindung des Knopfes waren Fibel und Fürspann in ihrer Funktion allerdings zunehmend überflüssig - und konnten sich nun, zunächst am Hof Ludwig XIV. im 17. Jahrhundert, zu reinen Schmuckobjekten entwickeln.

Wir möchten, dass Sie zu 100% zufrieden sind! Daher begutachten, beschreiben und fotografieren wir alle unsere Schmuckstücke mit größter Sorgfalt.

Bei unseren Bewertungen des antiken Schmucks können Sie sich auf unsere jahrelange Erfahrung im Handel sowie unsere Expertise als studierte Kunsthistoriker verlassen. Als Mitglied in verschiedenen Händlerorganisationen sowie der britischen Society of Jewellery Historians haben wir uns hier zu größter Exaktheit verpflichtet. In unseren Beschreibungen weisen wir stets auch auf etwaige Altersspuren und Defekte hin, die wir auch in unseren Fotos nicht verbergen - damit Sie, wenn unser Paket zu Ihnen kommt, keine unangenehmen Überraschungen erleben müssen.

Sollten Sie aus irgendeinem Grund doch einmal nicht zufrieden sein, nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf und wir finden umgehend eine gemeinsame Lösung. Unabhängig davon können Sie innerhalb von 30 Tagen jeden Artikel zurückgeben und wir erstatten Ihnen den vollen Kaufpreis.


5 Gründe, die Sie zum Strahlen bringen