Schönheit und Schrecken

Ungewöhnliche, plastische Kamee der Medusa als Ring in Gold, um 1820 & später


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Ungewöhnliche, plastische Kamee der Medusa als Ring in Gold, um 1820 & später
Ungewöhnliche, plastische Kamee der Medusa als Ring in Gold, um 1820 & später
Beschreibung
Der antiken Sage nach war die Gorgone Medusa eine betörende Schönheit. Als aber Pallas Athene sie mit dem Meeresgott Poseidon überraschte, war Athene so erzürnt, dass sie Medusa in ein geflügeltes Ungeheuer mit Schlangenhaaren verwandelte, das von nun an Schrecken unter den Menschen verbreiten sollte. Ihr fürchterlicher Anblick ließ jeden Mann sofort zu Stein erstarren. Erst der junge Perseus konnte dem Blick der Medusa durch eine List widerstehen: Er schaute allein die Spiegelung der Medusa in seinem polierten Schild an und konnte die Schreckliche so mit dem Hieb seines Schwertes enthaupten. Den Kopf der Gorgo nahm schließlich die Göttin Athene an sich und heftete ihn auf ihren Schild. Das „Gorgoneion“ sollte dazu dienen, Unheil abzuwehren und sich gegen Widersacher durchzusetzen. Schon in der Antike schmückten Darstellungen des abgeschlagenen Medusenkopfes zahlreiche Haus- und Tempeltüren, doch auch Waffen, Schiffe und Rüstungen und nicht zuletzt Schmuckstücke mit geschnittenen Gemmen und Kameen. Die Schriftsteller und Künstler der späten Romantik sahen die Medusa aus neuer Perspektive. Der Schriftsteller Percy Bysshe Shelley widmete dem Anblick ihres abgeschlagenen Hauptes ein Gedicht, in welchem er feststellte: „Its horror and its beauty are divine“ – himmlisch sind der Schrecken und die Schönheit. Dieser Aspekt der Medusa, das Schreckliche und Schöne zu vereinen, ließ sie auch im Symbolismus des Fin de siècle zu einem vielfach interpretierten Thema werden. Man richtete den Blick nach innen, machte Schönes und Schreckliches gleichermaßen und ohne Vorbehalt zum Gegenstand ästhetischer Kontemplation: Das Interesse galt allem, was das Gemüt regen und tiefe Empfindungen hervorrufen konnte. Der hier vorliegende Ring nimmt Bezug auf diese wichtige Strömung der europäischen Kulturgeschichte. Seine Gestaltung zeigt das Gorgoneion, das von Schlangen umzüngelte Haupt der Medusa, welches als Cameo in rötlichem Karneol ausgeführt ist. Das Gorgoneion orientiert sich am Typus der Medusa Rondanini, jener berühmten antiken Skulptur, von der auch Goethe einen Gipsabguss besaß. Eine goldene Palmettenrahmung in einem Rahmen aus blauem Email hält die erhabene Kamee. Wir denken, dass der heutige Ringkopf ursprünglich Teil eines anderen Schmuckstücks gewesen und in den Jahren um 1820 entstanden ist. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts ist dieses Element dann zum Ring umgebaut worden. Zu uns kam der Ring so, wie er ist, aus dem Berliner Stadtteil Charlottenburg.
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