Traumwelten der Antike

Klassizistische Kamee aus Austernschale in Silberfassung, um 1800 & später


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Klassizistische Kamee aus Austernschale in Silberfassung, um 1800 & später
Klassizistische Kamee aus Austernschale in Silberfassung, um 1800 & später
Beschreibung
Seit der klassischen Antike gilt der Mohn als Sinnbild des Schlafes. Seine Samenkapseln wurden den Gottheiten Hypnos und Morpheus zugeordnet und galten als Zeichen jener sanften Macht, die den Menschen Nacht für Nacht aus der Wirklichkeit in die Welt der Träume geleitet. Ovid schildert Morpheus als den begabtesten unter den Söhnen des Schlafgottes Hypnos. Er vermochte jede menschliche Gestalt anzunehmen und erschien den Schlafenden in ihren Träumen. Kaum verwundert es also, dass Künstler den Traumgott im Verlauf der Jahrhunderte immer wieder zum Gegenstand ihrer Werke machten. Gerade in den Jahren um 1800, als sich Europa mit neuer Begeisterung der Antike zuwandte, erfreuten sich solche poetischen Bildthemen besonderer Beliebtheit. Das vorliegende Kamee entstand in dieser Zeit und wurde meisterhaft aus der Schale einer Auster geschnitten. Die feinen weißen Reliefpartien heben sich wirkungsvoll von dem zart blaugrauen Grund ab und verleihen der Szene eine leicht entrückte Atmosphäre. Mehrere Figuren bewegen sich auf eine rechts stehende männliche Gestalt zu und reichen ihr Mohnkapseln dar. Wir deuten diese Darstellung als Huldigung des Morpheus. Anders als viele mythologische Szenen erzählt das Relief keine dramatische Begebenheit, es feiert vielmehr den Schlaf selbst als friedvolle Gabe und als Voraussetzung jeder Traumwelt. Bemerkenswert ist die außerordentliche Qualität des Reliefs. Trotz ihres kleinen Formats besitzen die Figuren eine erstaunliche Räumlichkeit und Eleganz. Fließende Gewänder, fein modellierte Körper und die sorgfältig abgestuften Reliefebenen verraten einen Steinschneider von großer Virtuosität. Solche Muschelkameen verlangten nicht nur künstlerisches Talent, sondern auch ein sicheres Gespür für die natürliche Schichtung der Austernschale, deren unterschiedlich gefärbte Lagen gezielt genutzt worden sind, um räumliche Tiefe entstehen zu lassen. Die Jahre um 1800 markieren zugleich den Höhepunkt der klassizistischen Kameenmode. Die Ausgrabungen von Pompeji und Herculaneum hatten eine ungeheure Begeisterung für die Antike entfacht. Künstler griffen ihre Götterwelt, die antiken Mythen und ihre Bildsprache auf und schufen Werke, die manchmal Kopien, manchmal aber auch freie Neuschöpfungen im Geist der Antike waren. Kameen wie dieses galten deshalb nicht nur als Schmuck, sondern ebenso als Ausdruck von Bildung, Geschmack und der Bewunderung vergangener Kultur. Die Fassung aus Silber wurde im Stil der Entstehungszeit zu der antiken Kamee ergänzt. Zu uns kam diese außergewöhnlich fein gearbeitete Arbeit aus London.
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Gemmen und Kameen zu besitzen war über Jahrhunderte der Anspruch beinahe aller großen kunstgewerblichen Sammlungen und Wunderkammern, vom Grünen Gewölbe in Dresden angefangen über die Schatzkammer Rudolf II. bis hin zu großen privaten Sammlungen wie die des Baron von Stosch in späterer Zeit. Das 18. und 19. Jahrhundert brachte zahlreiche große Abdrucksammlungen antiker Siegelsteine und Gemmen hervor, die die antike Bildsprache der Glyptik beinahe in ihrer Gesamtheit darstellen konnten, waren sie doch auch Ausdruck einer humanistischen Bildung. Doch hat sich die Kunst des Gemmenschneidens bis heute in Italien, besonders in der Bucht von Neapel erhalten, wo sie von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Heute ist die Scuola dei Cammei in Torre del Greco die weltweit einzige groß angelegte Ausbildungsstätte für Gemmenschneider in Italien. In besonderem Maße wichtig für die Vermittlung von Stein- und Muschelschnitten nördlich der Alpen waren seit jeher Italienreisende, die Abdrücke und geschnittene Steine sowie gravierte Muscheln von ihren Bildungsreisen nach Hause brachten um sich daran zu erfreuen.
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Größe & Details
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