Gegen alle Hindernisse

Erstklassige Muschelkamee von Tommaso Saulini nach John Gibson, um 1860

Eine große Liebe entgegen allen Hindernissen – diese romantische Idee gibt nicht erst heute den Stoff für’s Kino. Schon im Altertum begegnen uns Mythen, welche diesen Handlungsfaden in immer neuen Konstellationen durchspielen. Doch vor allem im 19. Jahrhundert wurde die große Liebe das Ideal der Epoche. Die eng geschnürten Damen und von Stehkrägen belagerten Herren der sittenstrengen Zeit erhoben die einzige, große Liebe gegen alle Widerstände zum Ideal – auch wenn die Realität – vielleicht – nicht immer ganz so eineindeutig war... Die hier vorliegende, große Brosche ist genau diesem Thema gewidmet. Wir sehen Amor und Psyche, die schöne Königstochter und ihren Geliebten, den Liebesboten der Venus. Die in Muschel geschnittene Szene zeigt beide Liebenden eng umschlungen. Psyche ist durch Schmetterlingsflügel ausgezeichnet; einen weiteren Schmetterling hält sie in ihrer Hand. Diese Ikonographie stammt aus dem Griechischen, denn Psyche bedeutet sowohl Seele als auch Schmetterling. Die Königstochter Psyche entfachte durch ihre große Schönheit den Neid der Venus. Als sich dann auch noch ihr Sohn, Amor, der Liebesbote, in die Sterbliche verliebte, übertrug Venus der Unglücklichen mehrere gefährliche Aufgaben. Doch entgegen aller Erwartungen meisterte Psyche die Prüfungen mit der Hilfe ihres Geliebten, der sich über die Befehle seiner Mutter hinwegsetzte. Schließlich hatte der oberste Gott Jupiter Mitleid mit dem Paar. Er ließ Psyche einen Becher mit Ambrosia reichen und macht sie dadurch unsterblich, so dass sie in den Olymp aufgenommen wurde. Die außergewöhnliche Qualität des Muschelschnitts unserer Brosche zeigt bereits, dass hier ein besonderer Meister seines Fach gewirkt hat. Tatsächlich versammelt die Brosche sogar zwei der vom Publikum geliebtesten Künstler des viktorianischen Englands. Zum einen folgt die Darstellung nämlich einem Relief John Gibsons (1790-1866), welche als Schüler Thorvaldsens in Rom arbeitete. Sein Relief mit Amor und Psyche schuf er 1853, ein Exemplar wird heute in der Royal Academy of Arts in London verwahrt. Doch auch die Muschelgemme mit dem Motiv Gibsons ist das Werk eines eigenen Künstlers. Sie ist signiert mit „T. Saulini F[ecit].“ Tommaso Saulini (1793–1864) und sein Sohn Luigi betrieben eine Werkstatt für Kameen in Rom, zunächst in der Via della Croce 8, 1867 dann war das Studio in die Via del Babuino 96 umgezogen. Saulini war einer der bekanntesten Gemmenschneider seiner Zeit und stellte seine Werke mit großem Erfolg 1852 sogar auf der ersten Weltausstellung in London aus. Die Folge war ein Auftrag Königin Victorias: Saulini erhielt exklusiv den Auftrag, das Bildnis der Königin für jedes Exemplar des Victoria & Albert-Ordens zu fertigen. Die hier vorliegende, signierte Gemme ist in den Jahren um 1860 entstanden. Saulini hat mehrere Exemplare nach dem Vorbild Gibsons geschaffen, ein Vergleichsbeispiel findet sich abgebildet bei Charlotte Gere/Judy Rudoe: Jewellery in the Age of Queen Victoria, London: British Museum Press 2010, S. 474-476, dort Abb. 480. Interessanterweise zeigt die Gemme die enge Zusammenarbeit beider Künstler: Der Schmetterling, den Psyche in ihrer Hand hält, findet sich nur auf einer Zeichnung aus Gibsons Atelier, nicht aber in den ausgeführten Marmorarbeiten: Saulini hatte also unmittelbaren Zugang zur Werkstatt Gibsons in Rom. Die elegante Fassung aus hochkarätigem Gold ist wohl in Großbritannien kurz nach der Gemme entstanden. Sie leuchtet warm im schönen Goldton ihrer zusätzlichen Feinvergoldung und gibt der schönen Szene einen würdigen Rahmen. Vgl. neben den zitierten Werk auch Tommaso e Luigi Saulini. Incisori di cammei nella Roma dell'Ottocento, hg. von Francesca Barberini Dickmann und Micaela De Petra, Rom 2006. Zu Gibson vgl. auch https://www.royalacademy.org.uk/article/how-to-read-it-john-gibson-september-2016.

Das viktorianische England war vernarrt in Gemmenschmuck. Im Gegensatz zu früheren Epochen, in denen Gemmen in verschlossenen Kabinetts verwahrt wurden und nur den Sammler erfreuten, waren sie nun dazu gedacht getragen und als transportable Kunstwerke von allen bewundert zu werden. Besonders geschätzt wurden Gemmen mit mythologischen Motiven. Englische Reisende, die im Zuge der Grand Tour Italien bereisten, brachten die qualitätvoll geschnitzten Gemmen als Erste als Souvenir in die Heimat; später wurden die geschnitzten Gemmen von britischen Händlern direkt importiert und vor Ort zu Schmuckstücken gefasst. Zur britischen Liebe zu italienischen Gemmen vgl. Charlotte Gere/Judy Rudoe: Jewellery in the Age of Queen Victoria, London: British Museum Press 2010, S. 464–481.

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